DANIEL X 5–6

5Vnd hub meine Augen auff / vnd sahe / vnd sihe /  Da stund ein Man in Linwad / vnd hatte eine gülden Gürtel vmb seine Lenden /6Sein Leib war wie ein Turckis / sein Andlitz sahe wie ein Blitz / seine Augen wie ein fewrige Fackel / seine Arm vnd Füsse / wie ein gluu Ertz / vnd seine Rede war wie ein gros gedöne.

 

Das Kostüm des Erzengels Michael


Selten tritt der Erzengel Michael nahezu unbekleidet auf wie auf diesem Bild, das vermutlich Marco dal Pino Ende des 16. Jahrhunderts in vollendet manieristischer Art gemalt hat.

Die ersten Künstler, die sich ein Bild von ihm machen, kleiden ihn weiße antikisch-byzantinische Gewänder, passend zu seiner Rolle als Repräsentant des Himmelreichs oder auch des Seelenwägers. 

Sobald er in seiner kämpferischen Funktion als Drachentöter in Erscheinung tritt, wandelt sich sein Habit ins Soldatische. 


frühchristliche Kunst

Chiton | Chlaina

Der Chiton ist das antike griechische Untergewand für Männer und Frauen.

Man unterscheidet den dorischen und den ionischen Chiton:

Der dorische Chiton für Männer heißt Chlaina, bestand aus einem großen Wolltuch, das über die linke Schulter um den Körper gelegt wurde und an der rechten Schulter zusammengesteckt wurde. Freie Männer trugen ihn über beide Schultern, Sklaven und Arbeiter hatten den rechten Arm frei.

Der ionische Chiton war aus Leinen und sackartig – mit Öffnungen für den Kopf und die Arme – zusammengenäht.

Tunika

Die Tunika ist die römische Form des Chiton. Es gab sie in verschiedenen Längen, manchmal auch eine Schulter freilassend.

Himation

Das Himation war im antiken Griechenland ein Obergewand aus rechteckig geschnittenem Manteltuch, das über dem Chiton getragen wurde, wobei ein Arm unbedeckt blieb.

Pallium

Das Pallium ist die römisch-lateinische Entsprechung des griechischen Himation.

Clavus

Die Clavi sind Zierstreifen am Chiton oder der Tunika, die als imperiale Würdezeichen eingesetzt werden.



11. Jahrhundert

Dalmatik | Dalmatika

Die Dalmatika ist eine lange ungegürtete Tunika mit breiten kurzen Ärmeln. Sie soll zuerst in Dalmatien getragen worden sein. Durch Verordnung Silvesters I. von Rom ist sie Amtskleid der Diakone.

Pluviale

Das Pluviale ist ein langer liturgischer Mantel der Priester und Bischöfe in Halbkreisform geschnitten.

Dibetesion

Als Dibetesion wird eine mittellange Kaisertunika bezeichnet, deren halb- oder dreiviertellange weite Ärmel  und deren untere Säume reich verziert sein können.

Maniakon | Maniakis

Das Maniakon ist ein breiter Kragen der Kaisertracht. Er ist aus Stoff gewebt, golddurchwirkt und mit Edelsteinen besetzt, kann aber auch aus metallenen Kettengliedern bestehen. Der Rand ist oft mit bis zu drei Reihen großer runder Perlen besetzt und zusätzlich mit tropfenförmigen behängt, sogenannten Pendilien.

Loros

Der Loros (lat. lorum, n = Riemen, Gürtel) ist eine edelsteinbesetzte Stola oder Schärpe des byzantinischen Kaisergewandes für besondere rituelle Anlässe, er ist Hoheitszeichen auch für die byzantinischen Konsuln und die Erzengel. Er wurde so um den Körper geschlungen, dass die Form eines X entstand, die an das Christus-Monogramm ΧΡ erinnern sollte.

 

 



13. Jahrhundert

Chlamys

Die Chlamys war ein kurzer Reit- und Reisemantel aus einem rechteckigen Stück Tuch, das über die linke Schulter geworfen und rechts auf der Schulter mit einer Fibel oder Agraffe zusammengehalten wurde. Sie stammt aus Makedonien oder Thessalien und verbreitete sich in ganz Griechenland, später auch im gesamten Römischen Reich.

Sagum | Paludamentum

sagum und paludamentum sind die römischen Bezeichnungen für die Clamys.

Römische Soldaten trugen das Sagum allein als Obergewand; das Paludamentum für hohe Offiziere und die kaiserlichen Feldherren war ein scharlach- oder purpurroter Mantel, der weniger praktische als symbolische Funktion als Rangabzeichen hatte. In der Spätantike ersetzte die Clamys die aus der Mode gekommene Toga und wurde zur Tracht von Zivilisten, die in Diensten des Kaisers (seit Diokletian) formal als Soldaten galten.

Cingulum, Zingulum

Ein Cingulum ist der Gürtel, mit dem das Paludamentum der antiken soldatischen Tracht zusammengerafft wurde.

Tänie | Taenia

Eine Tänie ist eine Binde oder ein Band.

In mittelbyzantinischer Zeit bis in das 14. Jahrhundert hinein werden Engel mit Haarbändern gezeigt, die an der Stirn dreieckig ausgeformt  und juwelenbesetzt sind und deshalb wie ein Diadem wirken. Die Tänie wird am Hinterkopf verknotet; viele byzantinische Maler lassen die oft weißen Bänderenden  (grch. akoaí, russ. toroki) eigenartig frei durch die Luft schwingen.



15./16. Jahrhundert

Michael gewandet mit der Tunica alba oder Albe und einem farbigen Mantelüberwurf, der mit einer prachtvollen Spange geschlossen ist.

MEISTER VON LIESBORN – Michael in liturgischer Tracht mit weißer Albe, grüner Dalmatik (s. 11. Jh.)  und rotem Chormantel (Pluviale).

Albe

Die Albe ist ein meist weißes Leinengewand, das bis zu den Füßen reicht, mit schmalen Ärmeln, an den Hüften mit einer Schärpe, dem Zingulum, umgürtet. Es wird vom Klerus, der die höhere Weihe empfangen hat, bei Messen, aber auch im Gottesdienst getragen. Die Albe hat ihren Ursprung in der langen Tunika der römischen Kaiserzeit.

Pluviale

Das Pluviale ist ein vorne offener Mantel, der aus einem Umhang mit Kapuze entstand, der vom 9. Jh. an von Mönchen bei Prozessionen oder auf dem Chor getragen wurde.

Agraffe

Spange zum Zusammenhalten von Gewandteilen.


QUIS UT DEUS  – DER ERZENGEL MICHAEL IN DER BILDENDEN KUNST – VIRTUELLE AUSSTELLUNG UND MATERIALSAMMLUNG